Quipu Knotenschrift

Quipu: Definition & Synonyme

Als Quipu bezeichnet man die einzigartige Knotenschrift, die im Zeitraum von ca. 2.500 vor Christus bis ca. 1.532 nach Christus von südamerikanischen Eingeborenen und später von den Inkas in Altperu verwendet wurde. Die Knotenschrift Quipu (spanisch) bzw. Khipu (von Quechua: Knoten) wurde ursprünglich im dezimalen Stellenwertsystem aufgebaut und als Methode zur numerischen Buchhaltung verwendet, später entwickelte sich aus ihr eine vollständige Schrift.

Synonyme: Quipu, Khipu, Quechua

Quipu: Anwendung & Aufbau

Mit Quipu konnten statistische Ergebnisse zu Ländereien, Einwohnern, Tieren, Soldaten, Lagerinventar oder auch historischen Ereignissen, wie Schlachten, erfasst werden. Allerdings musste jedes Quipu mündlich kommentiert übergeben werden. Der sogenannte Quipu-Spezialist (khipu kamayuq) war für das Knoten knüpfen verantwortlich, wohingegen der Quipu-Deuter für das Lesen der Details zuständig war.

Das Quipu an sich ist ein vorhangähnliches Gebilde: Es gibt einen Hauptfaden von 4m Länge, an dem farblich abgestufte Nebenfäden geknüpft sind, die 10 verschiedenartige Knoten tragen. Als Basis wurde überwiegend ein mehrfacher Überhandknoten verwendet, der Franziskanerknoten und der Achtknoten.

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Die Knoten hatten je nach vertikaler oder horizontaler Ausrichtung und nach Fadenfarbe und Fadenlänge unterschiedliche Bedeutungen. Vor dem eigentlichen Knüpfen der Knoten wurde die exacte Länge abgeschätzt und unterschiedliche Fäden mehrmals zu einer Schnur gedreht. Vom Material her bestanden die Fäden aus Haaren, Pflanzenfasern oder Wolle. Die Farben wurden mit Alaun oder Eisensalz fixiert, was allerdings mit den Jahren die Farben zerstörte. Vom Gewicht her wog die schwerste jemals in einem Grab gefundene Schnur stolze 4 Kg.

Die Inkas benutzten im dezimalen Stellenwertsystem eine Vorstufe der Null. An Stellen wo es keinen Wert gab, gab es auch keinen Knoten. Die Darstellung von Zahlen war bis 10.000 möglich. Zudem sollen, nach neuesten Erkenntnissen, auch Steuerrechnungen mit Quipus gemacht worden sein, wobei eine Ebene jeweils dem übergeordneten Verwaltungsbezirk entsprach und man dadurch die Steuersumme der drunterliegenden Bezirke ablesen konnte. Somit ist die Quipu Knotenschrift, ähnlich der Keilschrift in Mesopotamien, ein Modell für die kulturelle Entwicklung der Schrift aus der Buchhaltung / dem Rechnungswesen heraus.

Quipu: Funde

Im 16. Jahrhundert wurde eine Vielzahl der Quipus von den spanischen Eroberern zerstört. Heute existieren weltweit nurnoch rund 800 Stück, wovon sich rund 289 Quipus im Ethnologischen Museum Berlin befinden.